Zwei Fragen, die Unternehmen sowie speziell Personalerinnen und Personaler  von heute beschäftigen, lauten: Entscheiden bald Algorithmen darüber, welche Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter eingestellt werden? Wird Künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen (ML) HR-Experten zukünftig ersetzen? Dass diese Fragen im Raum stehen ist nicht geradezu verwunderlich – ganz im Gegenteil, denn KI und ML haben bereits in vielen Branchen und Bereichen Einzug gehalten: beispielsweise in smarten Assistenzsystemen von Autos. Ferner beantworten schon heute sog. Chatbots Kundenfragen wie beispielsweise “Wie ist mein Flugstatus?” oder “Wie kann ich meine Bestellung zurücksenden?”. 

Seit kurzer Zeit beginnt KI damit, eine Domäne zu erobern, die bislang Menschen vorbehalten war: das Personalwesen. Gemäß einer Studie des Bundesverbands der Personalmanager (BPM) setzen bereits rund 16 Prozent der deutschen Unternehmen erste KI-Anwendungen im Bereich Human Resources ein und fast ebenso viele Unternehmen planen den Einsatz von KI in ihrem Personalbereich. Doch kann es KI-Systemen wirklich gelingen, die passenden Mitarbeitenden auszuwählen bzw. deren Skills im “direkten Gespräch” zu testen? 

Tatsächlich existieren bereits Praxisbeispiele dafür, wie sich KI-Systeme im HR-Sektor verwenden lassen. Dazu zählt auch das Projekt “Digital Room”, welches durch die Zusammenarbeit zwischen der ManpowerGroup und Right Management ins Leben gerufen wurde. Im “Digital Room” führt ein Avatar, also eine künstliche Person, mit dem Namen Zara Bewerbungsgespräche. Wie das funktioniert? Im Vorfeld wird Zara mit Schlüsselbegriffen und vorformulierten Fragen, die sich auf den Tätigkeitsbereich und die Qualifikationen der Kandidatin bzw. des Kandidaten beziehen, gefüttert. Danach erfassen Kameras und Mikrofone innerhalb des Digital Rooms die Antworten und weitere Reaktionen der Bewerberin bzw. des Bewerbers. Zara kann neben den Antworten beispielsweise auch die Körpersprache, den Tonfall und die Emotionen ihres Gegenüber aufzeichnen. Anschließend analysiert das KI-System die Daten und fasst die Ergebnisse in einen Bericht zusammen. 

Trotz dieser herausragenden technischen Leistungen, die heute bereits existieren, sind sich HR-Experten, Beratungen und Personaldienstleister in einem Punkt einig: Algorithmen und KI werden in absehbarer Zeit den HR-Profi nicht ersetzen können. Vielmehr können KI-Systeme bei zeitaufwendigen Routineaufgaben, wie z.B. beim Überprüfen der Bewerbungsunterlagen, eingesetzt werden und so den HR-Bereich entlasten. Aber KI hat eben auch ihre Grenzen. Soft Skills von Kandidatinnen und Kandidaten können KI Systeme derzeit nur begrenzt bewerten. Zu diesen zählen Fähigkeiten, die besonders von europäischen Arbeitgebern sehr geschätzt werden, wie etwa die Fähigkeit Probleme zu lösen oder die emotionale Intelligenz. Inwiefern die Gesprächspartnerin oder der Gesprächspartner über diese Skills verfügt, lässt sich immer noch am besten im direkten Gespräch von “Mensch zu Mensch” klären.  

Den Originalbeitrag von Sonja Pierer sowie ein Bild des “Digital Room” finden Sie auf den Seiten der Computerwoche: https://www.computerwoche.de/a/ki-kann-personaler-nicht-ersetzen,3547461